Das Projekt Dendrom

In Kürze
Hintergrund
Zentrale Fragen
Das Projekt im Detail


In den vergangenen Jahren zeichnet sich eine zunehmende D i v e r g e n z zwischen N a c h f r a g e und A n g e b o t von Dendromasse (holzartiger Biomasse) ab.

Die derzeitigen Entwicklungen führen zu einer perspektivisch steigenden
N a c h f r a g e nach Holz mit geringen Qualitätsansprüchen und niedrigerem Preisniveau (von der Forstwirtschaft i.A. als ''Industrieholz'' bezeichnet) für die direkte (Strom, Wärme) oder indirekte energetische Nutzung (Biotreibstoffe) .
Die günstigen Perspektiven für Holz liegen dabei vor allem in seiner guten Lagerstabilität und hohen Energiedichte begründet (ein Konkurrenzvorteil von Holz gegenüber allen landwirtschaftlichen Biomasseträgern). Die ausreichende Verfügbarkeit des Rohstoffs Holz zu angemessenen Preisen wird hierbei entscheidend sein.

Die Befriedigung dieses Bedarfs verlangt nach holistischen Lösungen, die von der betrieblichen Ebene (kostengünstige Bereitstellung von Biomasse) über die regionale und Landesebene (Optimierung der Logistik, Abstimmung der betriebsökonomischen Erfordernisse mit den gesellschaftlichen
Interessensfeldern Klimaschutz, Bodenschutz, Artenschutz und Sozioökonomie) bis hin zur Bundes- und EU-Ebene reichen (gesetzliche und administrative Rahmenbedingungen).


Nachfragesteigerung durch:

1) Die derzeit größte Nutzung von holzartiger Biomasse erfolgt im Bereich der Wärmeerzeugung. Aufgrund der erheblichen ungenutzten Potenziale wird bereits seit längerer Zeit überlegt, die gegenwärtig haushaltsbasierten Förderinstrumente (Marktanreizprogramm für Erneuerbare Energien) durch breiter wirksame und dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) vergleichbare Instrumente zu ersetzen und so auch im Wärmebereich einen nennenswerten Ausbau zu erreichen. Nach gegenwärtigen Erkenntnissen
wird es ohne die Stimulierung des Wärmebereichs - und hier insbesondere
der Biomasse - in Deutschland und EU-weit schwierig werden, die gesetzten
Ausbauziele Erneuerbarer Energien zu erreichen.

2) Das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG), welches die Vergütung
und Abnahmepflicht stromerzeugender EE-Technologien regelt, führte breits zu einer signifikanten Zunahme der Holznutzung in der Verstromung, die nach der aktuellen Novellierung des EEG noch weiter zunehmen wird.
Wie stark die Wirkung auf den Holzmarkt durch das EEG bereits in den ersten Jahren war, zeigt die Tatsache, dass das gesamte in Deutschland
verfügbare Altholz bereits innerhalb weniger Jahre verplant war und es deshalb bereits zu regionalen Engpässen kommt (Hoffmann 2002 und 2004). Die Nachfrage nach Dendromasse im Strom- und Wärmebereiche wird also mittel- bis langfristig zunehmen.

3) Zudem gibt es mit den Biokraftstoffen einen weiteren großen Bereich, durch den eine steigende Nachfrage nach Holz mittel- bis langfristig zu erwarten ist. Die Nachfrage nach Biomasse nimmt gegenwärtig bereits durch die Steuerbefreiung für Biokraftstoffe aus Pflanzenölen, Bioethanol und den jeweiligen Derivaten zu. Perspektivisch werden Produkte aus thermochemischer Zersetzung (Pyrolyse und Vergasung) hinzukommen, die ebenfalls zu biogenen Treib- und Kraftstoffen (Biomass-to-Liquid (BtL), Designerfuels aus Synthesegasen) weiterentwickelt werden können.
Nach gegenwärtigen Schätzungen rechnen sich Anlagen zur Synthese von
Biokraftstoffen erst ab einer Produktionsrate von einigen hundertausend Tonne pro Jahr. Zusätzlich müssen, im Gegensatz zu der Wärmeproduktion, die Rohstoffe kontinuierlich über das ganze Jahr verteilt zur Verfügung stehen.
Sollen die Rohstoffe zudem aus arbeitsmarktpolitischen und ökologischen Gründen aus heimischen Quellen stammen, so müssen heimische Rohstoffe bei den inländischen Kostenstrukturen auch weitgehend regional konzentriert bereitgestellt werden können (eine geringe Energiedichte schließt lange Transportwege aus Kostengründen aus).
Die Auswahl des Standortes entscheidet hier bereits weitgehend über die Auswahl der Rohstoffe. Um den Mix der Biomasseträger regional optimieren zu können, ist umfassendes Wissen über die Ökologie der verschiedenen Biomasseträger erforderlich, welches bisher nur für die traditionellen landwirtschaftlichen Biomasseträger ausfürhlich vorliegt und für für schnellwachsende Gehölze fehlt.



Die A n g e b o t s s e i t e dagegen tendiert stark zu einer Abnahme der qualitativ geringfügigen Sortimente. Dies läßt sich vor allem durch den ökologisch gut begründeten Paradigmenwechsel bei den forstpolitischen und waldbaulichen Zielen hin zur naturnah ausgerichteten Waldbewirtschaftung erklären.
Die naturgemäße Bewirtschaftung der Wälder fokussiert auf die starken und wertvolleren Holzsortimente, strebt eine Extensivierung der Jungbestands-pflege an, wodurch sich selbst bei steigenden Holzvorräten das wirtschaftlich nutzbare Angebot an Industrieholz tendenziell verringert.
Wird ein Teil des Bedarfs durch Aktivierung von Holzreserven aus dem Wald gedeckt werden können, so wird dieser angesichtes der steigenden Nachfrage nicht ausreichen.
Demnach kann der Anbau schnellwachsender Gehölze auf landwirtschaftlichen Flächen (von uns in diesem Zusammenhang Feldgehölze genannt) unter bestimmten Bedingungen einen wesentlichen Beitrag zur ökologisch und sozial verträglichen, ökonomisch tragfähigen Bereitstellung von Dendromasse leisten und die klassischen Quellen Wald(rest)holz, landwirtschaftliche Biomasse und biogene Abfälle (z.B. Gülle, Kompost, Tierfette etc.) ergänzen.

Die aufgezeigten Nutzungskonkurrenzen erfordern ebenso eine systemische Betrachtungsweise. Nach dem Wärme- und Strombereich werden diverse Alternativen zur Nutzung von Dendromasse für die Kraftstoffgewinnung entwickelt, und große Automobilhersteller wie kleine innovative KMU sehen hierin große Zukunftsperspektiven. Das Projekt wird der strategischen
Frage dieser Nutzungskonkurrenzen, aber auch möglicher Synergien oder zeitlich abgestimmter Nutzungsfolgen explizit nachgehen und hierzu Analysen durchführen, Szenarien entwickeln, Stakeholder-Dialoge führen und schließlich Strategieempfehlungen geben.


 

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